Chronik 1886 – 2026

140 Jahre
in Bildern

Von der Handdruckspritze ohne Schläuche bis zum modernen Mannschaftstransportwagen – die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Hammerbrücke, Stück für Stück.

Kapitel 1

Die Anfänge

1886 – 1945

1886

Gründung der Feuerwehr „Friedrichsgrün-Hammerbrücke“

26 Männer aus Friedrichsgrün und Hammerbrücke gründen die Freiwillige Feuerwehr. Weil sich zu wenige Freiwillige melden, werden laut Überlieferung sogar Männer ausgelost.

Die Ausrüstung ist bescheiden: eine Handdruckspritze – auf Drängen der Amtshauptmannschaft angeschafft und aus Geldmangel zunächst ohne Schläuche –, zwei Leitern, zwei Feuerhaken und zwei Sturmlaternen.

1887–91

Das erste Spritzenhaus

Auf dem Gelände der alten Schule entsteht das erste Spritzenhaus. Hier stehen Spritze, Leitern und Laternen bereit, wenn die Glocke zum Einsatz ruft.

1911

Zwei Gemeinden, zwei Feuerwehren

Schon 1888 trennen sich Friedrichsgrün und Hammerbrücke politisch. 1911 folgen die Feuerwehren: Friedrichsgrün gründet am 8. Oktober, Hammerbrücke am 1. November eine eigene Ortsfeuerwehr.

Hammerbrücke zählt damals rund 1.100 Einwohner. Die Wehr hat 30 Mitglieder, eine Spritze, 200 Meter Schlauch und einen zweirädrigen Spritzenwagen.

1925–31

Ein Spritzenhaus mit Schlauchturm

Mitte der 1920er-Jahre baut jede Gemeinde ihr eigenes Spritzenhaus. Das Hammerbrücker steht hinter der Schule an der Muldenberger Straße – mit hölzernem Schlauchturm, an dem auch die Leiterübungen stattfinden.

Bis 1960 zieht ein Pferd den Spritzenwagen, bedient von einem Reiter und mindestens sechs Mann. 1965 muss das Spritzenhaus einem Anbau der Schule weichen.

Übung am Schlauchturm, 1931
Dasselbe Spritzenhaus in Farbe, 1963

1929/30

Mit Pauken und Trompeten

In Friedrichsgrün (1929) und Hammerbrücke (1930) gründen sich Feuerwehrkapellen. 1932 unternimmt die Hammerbrücker Wehr einen Ausflug nach Bayreuth.

Die Feuerwehrkapelle Hammerbrücke

1936/37

Vereint – und eine Betriebswehr

1936 werden die Gemeinden Hammerbrücke und Friedrichsgrün vereinigt; die Feuerwehren wachsen nur zögerlich zusammen.

1937 entsteht im Sägewerk Christian Leonhardt eine Betriebsfeuerwehr. Sie wird die Geschichte der Wehr fast sechs Jahrzehnte lang mitprägen.

1939–45

Krieg

1939 erhält die Wehr eine Motorspritze auf einem Einachsanhänger. Im Krieg werden die Feuerwehren der SS- und Polizeigerichtsbarkeit unterstellt.

Nicht alle Kameraden kehren zurück. Wir gedenken

  • Albert Unger
  • Erich Meinel
  • Herbert Hochgeschwender
  • Herbert Klein
  • Horst Meinel
  • Kurt Böhm

Genannt sind nur die in Hammerbrücke beerdigten Kameraden. Die Kirchenbücher waren nur eingeschränkt zugänglich und sind teilweise nicht mehr lesbar – die Aufstellung ist daher möglicherweise nicht vollständig.

Kapitel 2

Neuaufbau

1945 – 1990

1945–48

Neuanfang mit Funkenflug

Nach Kriegsende wird die Wehr neu aufgebaut. Bis Mitte der 1950er-Jahre lösen die Funken der Dampfloks immer wieder Wald- und Torfmoorbrände aus – oft mehrmals pro Woche.

Neben der Pflichtfeuerwehr treten am 1. April 1948 22 Männer freiwillig ein. Einige bleiben jahrzehntelang dabei.

1955

Kampfappell in Markneukirchen

Unter Wehrleiter Kurt Leonhardt marschieren die Hammerbrücker beim Kampfappell und Umzug in Markneukirchen mit. Ab 1962 nimmt die Wehr regelmäßig an Wettkämpfen teil.

1958–62

Ein Depot in Eigenleistung

Am Günnelsberg bauen die Kameraden im Nationalen Aufbauwerk ein neues Depot – nach Feierabend und am Wochenende, trotz Sechs-Tage-Woche. Mit Spaten, Schubkarre und viel Muskelkraft.

Die Regale entstehen aus Holz, das beim Sägewerksbrand 1960 angekohlt war. Den Schlüssel verwahrt Günnels Gasthaus – bei Alarm öffnete die Wirtin oft im Nachthemd.

Ausschachten mit Spaten und Schaufel
Material und Fahrräder der Helfer
Die Mauern wachsen
Blick über die Baustelle
Blick vom Schuldach im Juni 1962: das fertige Depot
Blick vom Schuldach 1960: das Depot im Bau mit offenem Dachstuhl
1960 1962
Blick vom Schuldach: 1960 im Bau – 1962 fertig. Regler ziehen zum Vergleichen.

1960

Das erste Feuerwehrauto

Mit dem Garant K30 endet die Zeit des Pferdegespanns. Zur feierlichen Indienststellung am neuen Depot spielt die Kapelle, Fahnen wehen, und das halbe Dorf schaut zu.

Ein kleiner Haken: Die Tore des neuen Depots sind für den K30 eigentlich zu niedrig.

Indienststellung des K30 am neuen Depot
Mit Fahnen und Musik
Der Garant K30

18.05.1960

Großbrand im Sägewerk

Das Sägewerk Christian Leonhardt brennt – Millionenschaden, 16 Wehren im Einsatz. Das Wasser kommt aus Floßgraben und Mulde und ist am Ende badewarm. Soldaten aus der Kaserne reißen das Dach des Maschinenraums mit Spaten auf.

Schon 1961 erfüllt das Werk wieder seinen Plan.

Die Brandstelle im Sägewerk nach dem Großbrand

1979

„Vorbildliche Freiwillige Feuerwehr“

Erstmals erhält die Wehr diesen Titel – und verteidigt ihn 1982, 1985 und 1988.

Zu den Aufgaben gehören damals auch Brandschutzkontrollen in rund 65 Betrieben und Einrichtungen, von der Bäckerei bis zur Kirche. 1971 waren es 189 Kontrollen in einem Jahr.

Die Wehr angetreten vor dem Depot

1981

Der Robur LO

Ein Robur LO als Löschfahrzeug LF 8-TS 8 löst den K30 ab – 75 PS, Höchstgeschwindigkeit 80 km/h. 1995 wird er für hydraulisches Rettungsgerät umgebaut.

Mit ihm kommt ein Schlauchtransportanhänger mit 640 Metern B-Schlauch – der ist bis heute bei jedem Brandeinsatz dabei.

Der LO vor dem neuen Gerätehaus – im Dienst bis 2003

1986

100 Jahre Feuerwehr

Festwoche, Festveranstaltung im Gasthof und eine neue Fahne aus der Sticktex. Zum Jubiläum gibt es die ersten Feuerwehr-Biergläser mit Goldrand im ganzen Vogtland.

Rund 42 Mitglieder zählt die Wehr – darunter fünf Frauen.

Gruppenfoto zum 100-jährigen Jubiläum

1989

Schlittenhunde und 150 Jahre Hammerbrücke

Am 18. Februar 1989 startet das erste Schlittenhunderennen. Die Feuerwehr sichert es von nun an ab – Mitte der 1990er mit bis zu 100 Gespannen aus mehreren Ländern.

Im Sommer feiert Hammerbrücke seinen 150. Geburtstag mit einem großen Festumzug.

Festumzug „150 Jahre Hammerbrücke“ – vorneweg die Fahne von 1986

Kapitel 3

Aufbruch

1990 – 2009

1994

Zusammenschluss und Jugendfeuerwehr

Am 16. April schließen sich die Freiwillige Feuerwehr und die Betriebswehr der Chr. Leonhardt GmbH zur FFW Hammerbrücke zusammen. Am 1. Oktober gründet sich die erste Jugendfeuerwehr im Waldgebiet.

Ebenfalls 1994: Ein verunfallter Mercedes 230 G der Bergwacht wird gekauft, repariert und als Vorauslöschfahrzeug in Dienst gestellt.

Das Vorauslöschfahrzeug Mercedes 230 G

1996–98

Ein neues Zuhause

Spatenstich 1996, Richtfest am 17. Oktober 1996. Den Innenausbau stemmen die Kameraden zum großen Teil selbst – tatkräftig unterstützt von der „Rentnerbrigade“.

Am 3. Oktober 1998 übergibt Bürgermeister Georg Ludwig den Schlüssel für das Gerätehaus an der Muldenberger Straße 12. Zum ersten Mal hat die Wehr einen richtigen Schulungsraum.

Rohbau im Winter 1996/97

2002/03

Ein neues Löschfahrzeug

Am 30. Juli 2002 holen sechs Kameraden das neue LF 8/6 auf Iveco Magirus im Schwarzwald ab – mit Mannschaftskabine, 600 Litern Wasser und Lichtmast. Zwei Wochen später ist es beim Augusthochwasser im Einsatz.

Der LO fährt 2003 nach rund 22 Dienstjahren über 1.000 Kilometer weit zur Partnergemeinde Harta in Ungarn.

Abholung des neuen LF 8/6, Juli 2002
Der LO in seiner neuen Heimat Harta, 2003

Februar 2006

Die Schneelast

Die Hallendächer der Fa. Kamp drohen unter dem Schnee einzustürzen. Neun Tage lang stützen und schaufeln 18 Wehren mit 453 Kameraden.

Es ist der zeitaufwendigste Einsatz der Wehrgeschichte – allein die Hammerbrücker leisten 657 Stunden.

Wehren aus der ganzen Region bei der Fa. Kamp, 11.02.2006

09.11.2007

„Hubschrauber vermisst“

Um 11:11 Uhr geht der Alarm ein. Im Wald bei Hammerbrücke wird das Wrack gefunden, der Pilot kann lebend geborgen werden – ein schwieriger Transport durch unwegsames Gelände. Der Einsatz dauert bis in den Abend.

Die Absturzstelle im Wald

Kapitel 4

Ortswehr Muldenhammer

2010 – 2026

2010

Teil der Feuerwehr Muldenhammer

Nach der Gemeindefusion 2009 entsteht am 5. Juni 2010 die Freiwillige Feuerwehr Muldenhammer. Hammerbrücke wird eine von sieben Ortswehren – nach 124 Jahren als eigenständige Wehr.

Juni 2013

Hochwasser

Die Talsperre läuft über, der Deumersbach wird zum reißenden Strom. 19 Einsätze in zehn Tagen, zehn davon allein am 2. Juni: Keller der Grundschule, Bürgerhaus, Sportlerheim und viele Privathäuser.

Pumpen gegen das Wasser, 3. Juni 2013

17.03.2017

Großbrand am Bahnhof

Alarm um 2:54 Uhr: Scheune und Schuppen stehen in Vollbrand. Die Kameraden verhindern, dass das Feuer auf das Wohnhaus übergreift, und löschen bis in den Vormittag nach.

Nachlöscharbeiten am Morgen

2020–22

Corona und Waldbrand

Corona legt 2020 Übungsdienste und Feste lahm. Gleichzeitig kommt die Alarmierung aufs Handy, und die Kinderfeuerwehr Muldenhammer wird gegründet.

Im August 2022 sind Hammerbrücker Kameraden beim großen Waldbrand in der Sächsischen Schweiz im Einsatz.

Verbrannter Wald in der Sächsischen Schweiz, August 2022

2024

Der neue Mannschaftstransportwagen

Am 1. März 2024 übernimmt die Wehr den neuen MTW „Hammerbrücke 19/1“. Am 21. Juni wird er feierlich geweiht, im Oktober steht er als Ausstellungsfahrzeug auf der Messe Florian in Dresden.

Der MTW vor dem Gerätehaus

Und jetzt wird gefeiert!

140 Jahre, über 450 Mitglieder und unzählige Stunden für Hammerbrücke. Feiern Sie mit uns am Samstag, 14. November 2026 in unserer Fahrzeughalle und im Festzelt am Feuerwehrdepot.

Zum Programm der Feier

Quellen: Chronik der Feuerwehr Hammerbrücke 1886–2021, Protokolle und Jahresberichte der Wehr. Fotos: Archiv der FFW Hammerbrücke.